Pressemitteilung vom 03.11.2026
ANTIFASCHIST*INNEN VERHINDERN ANSCHLAG VON NEONAZIGRUPPE
«TERROR 18» AUF EINER GEFLÜCHTETENUNTERKUNFT
Am 30. Oktober 2026 konnte ein geplanter rechtsterroristischer Anschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Winsen durch das Eingreifen von Antifaschist*innen verhindert werden.

Die Vorbereitungen dazu hatten junge Neonazis bereits mehrere Tage zuvor in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe mit dem Namen „Terror 18“ geplant. Bereits am 25. Oktober brüstete sich einer der Beteiligten mit rechtsextremen Schmierereien, darunter Hakenkreuzen, sowie Sachbeschädigungen in Wahlstedt (Schleswig-Holstein).
Am 26. Oktober griff ein weiterer Beteiligter eine Geflüchtetenunterkunft in Luhe (Niedersachsen) an, indem er einen Stein gegen das Gebäude warf (vgl. EXIF 2026).
In den folgenden Tagen konkretisierten die Beteiligten ihre Anschlagspläne in der Chatgruppe. Dabei tauschten sie sich über ihre Vorhaben aus und äußerten rechtsextreme und menschenverachtende Gewaltfantasien. Spätestens am 28. Oktober lagen der Polizei Hinweise auf eine konkrete Gefährdung von Menschenleben vor. Am 29. Oktober durchsuchte die Polizei die Wohnhäuser den beiden Neonazis. Weitere polizeiliche Maßnahmen oder Schutzvorkehrungen wurden nicht vorgenommen. Am Abend des 30. Oktober verließ einer der Täter mit einem Benzinkanister sein Wohnhaus. Zu diesem Zeitpunkt waren keine Polizeikräfte vor Ort. Erst das Eingreifen von Antifaschist*innen verhinderte die Umsetzung des geplanten Anschlags (vgl. ebd.).
„Rechtsextreme Anschläge und Übergriffe auf Gemeinschaftsunterkünfte für geflüchtete Menschen sowie auf geflüchtete Menschen selbst nehmen zu. Das ist keine Einzelfallproblematik, sondern eine Gefährdung von Menschenleben und ein Angriff auf unsere demokratische Grundordnung. Es ist nicht hinnehmbar, dass Angriffe zwar angezeigt und der Polizei gemeldet werden, Betroffene jedoch weiterhin ohne ausreichenden Schutz bleiben und notwendige Konsequenzen ausbleiben. Auch in unserer Beratungsarbeit erleben wir die Auswirkungen dieser Bedrohung unmittelbar:
Immer wieder erreichen uns besorgte und verängstigte Nachrichten von Ratsuchenden, die rechtsextreme und menschenverachtende Aufkleber im unmittelbaren Umfeld ihrer Gemeinschaftsunterkünfte, beispielsweise an Bushaltestellen, entdecken.
Gleichzeitig müssen wir deutlich sagen: Der politische Rechtsruck und ein Diskurs der Abschottung schaffen ein Klima, in dem rassistische Feindbilder normalisiert werden. Wenn geflüchtete Menschen öffentlich pauschal als Problem, Belastung oder Gefahr dargestellt werden, stärkt das genau diejenigen, die Gewalt gegen sie billigen oder ausüben. Politik trägt Verantwortung dafür, welchen Ton sie setzt und welche Schutzräume sie schafft oder zerstört.„
- Zahra Lessan
Fallsupervisorin bei Pena-Ger e.V.
WIR FORDERN:
- Wirksamen staatlichen Schutz für geflüchtete Menschen und ihre Unterkünfte
- Konsequente Verfolgung rechtsextremer Gewalt, Drohungen und Hetze
- Schnelle und verbindliche Reaktionen auf konkrete Hinweise auf bevorstehende Angriffe
- Klare Konsequenzen für Akteur*innen, die menschenfeindliche Propaganda verbreiten oder Gewalt verharmlosen


