DELIL ARSLAN: Vermisster kurdischer Geflüchteter tot in Gießen (Klein-Linden) aufgefunden
Der 23-jährige geflüchtete Kurde Delil Arslan aus Nusaybin wurde seit dem 24. August in Gießen, Hessen, vermisst. Nach wochenlanger Suche wurde sein Leichnam im Gießener Stadtteil Klein-Linden aufgefunden. Die Polizei (vgl. 1) schloss ein Fremdverschulden aus und leitete Ermittlungen zu den genauen Todesumständen ein. Arslan war vor etwa vier Jahren nach Deutschland gekommen und hatte Asyl beantragt. Sein Antrag (vgl.2 ) wurde abgelehnt, woraufhin er Berufung einlegte.
Als bundesweite Online-Beratungsstelle für Geflüchtete erleben wir, wie belastend unsichere Aufenthaltsverhältnisse, langwierige Asylverfahren, drohende Abschiebungen und die damit verbundene Zukunftsunsicherheit für Geflüchtete sein können. Auch Delil Arslan befand sich nach der Ablehnung seines Asylantrags in einer solchen unsicheren aufenthaltsrechtlichen Situation. Sein Fall macht auf die psychischen Belastungen aufmerksam, die mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus und der Angst vor einer möglichen Abschiebung verbunden sind. Besonders wichtig ist uns deshalb, Geflüchteten in solchen Situationen niedrigschwellige, vertrauliche und unabhängige Beratung anzubieten und sie mit ihren Sorgen und Belastungen nicht allein zu lassen. Im Zusammenhang mit dem Tod von Delil Arslan haben sich auch Freund*innen und Bekannte von ihm an Pena-Ger e.V. gewandt. Es ist wichtig, neben der rechtlichen Beratung auch die persönlichen und psychischen Belastungen von Geflüchteten ernst zu nehmen und entsprechende Unterstützungsangebote für betroffene Familien zugänglich zu machen.
In diesem Zusammenhang haben wir von Pena-Ger e.V. sowie Numedya24 auch auf weitere Fälle hingewiesen, wie unter Serkan Durmuş, Islam İşçi, Hogir Alay, Mustafa Baki, Gökhan Kumak, Mehmet Sait Polat, Mahmurlu Ramadan Mustafa Bîrhat, Abdulkerim Şaman, Fethullah Aslan, Irfan Koçer, Faruk Örnek, Rojhat und Mehvan Muhammed Suleiman. Auch aus den Jahren 2000 und davor werden weitere Fälle aufgeführt, darunter Ismet Aslan, Ali Güzel, Şahin Çoban, Murat İşlek, Sultan Doğan, Fuat Orak, Süleyman Aksoy, Muhammad Ali und Enver Bulut. In den Berichten werden als mögliche Belastungsfaktoren unter anderem abgelehnte Asylanträge, langwierige Aufenthaltsverfahren, drohende Abschiebungen und die Lebensbedingungen in Geflüchtetenunterkünften genannt. Die konkreten Umstände und Hintergründe der einzelnen Todesfälle unterscheiden sich jedoch und sind jeweils gesondert zu betrachten (vgl. Numedya24 2026).
Das sind alles keine Einzelfälle. Wir erinnern an Rojhat aus Batman. Er wurde nur 22 Jahre alt. Im Jahre 2023 floh er nach Deutschland und lebte zuletzt in einer Geflüchteten-unterkunft in Blumberg. Am 13. Mai 2025 wurde Rojhat auf einem nahegelegenen Campingplatz in neun Metern Höhe erhängt aufgefunden. Freund*innen hatten mehrfach auf seinen kritischen psychischen Zustand hingewiesen. Dennoch blieb die dringend benötigte Unterstützung aus. Rojhat hatte keinen Zugang zu psychologischer Betreuung, ausreichender medizinischer Versorgung, Sprachkursen oder einer Arbeitserlaubnis. Isolation, Perspektivlosigkeit und die Belastung durch einen negativen BAMF-Bescheid verschärften seine Situation zusätzlich.
WIR FORDERN
- Unabhängige Asylverfahrensberatung für alle Geflüchteten: Frühzeitig, kostenlos und ausreichend finanziert
- Schneller Zugang zu psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfe, insbesondere bei erkennbarer Suizidgefahr, Traumatisierung oder schwerer psychischer Belastung
- Verbindliche Suizidprävention in Geflüchtetenunterkünften: geschultes Personal, Krisenpläne und jederzeit erreichbare Notfallstrukturen
- Besondere Schutzbedürftigkeit im Asylverfahren berücksichtigen: psychische Erkrankungen, Traumatisierungen und Suizidgefahr müssen frühzeitig erkannt und bei Anhörungen und Entscheidungen berücksichtigt werden
- Unabhängige Aufklärung nach einem Suizid: wenn ein Zusammenhang mit dem Asyl- oder Aufenthaltsverfahren besteht, muss untersucht werden, welche Belastungen, behördlichen Entscheidungen oder Versorgungslücken eine Rolle gespielt haben und ob Schutzmaßnahmen versagt haben
Quellen:
- „Delil A. aus Gießen nicht gefunden: Polizei widerlegt Gerüchte auf Instagram“ Gießener Allgemeine vom 06.10.2026 ↩︎
- „Almanya’da Kürt mülteci Delil Arslan ormanda ölü bulundu“ Artı Gerçek vom 01.10.2026 ↩︎



